Die Rasse der Cane da Pastore Maremmano-Abruzzese
   
 

Geschichte der Hirtenhunde

 

   
 
Zeitspanne Antike bis frühes Mittelalter
Abstammung Familie der Caniden
Gattung Canis (Wölfe, Dingos, Wildhunde, Kojoten, Schakale und der Haushund - Canis lupus f. familiaris)
   
Art Wolfshunde, Berghunde, Lagerhunde (Nomadenhunde)
Vorkommen ausschliesslich im eurasischen Raum, hauptsächlich im Gebirge
von den Pyrenäen bis zum Himalaja
Farben immer eine Mischung aus den vier Farben
weiss, schwarz, silbergrau oder goldbraun,
wobei nur weiss als Einzelfarbe vorkommt.
Aussehen starke und kräftige Statur, fast quadratisch in der Form,
kräftige Nackenpartie, tiefe Brust, kräftige Hinterläufe,
breiter rundlicher Schädel mit stumpfer Schnauze,
schwarze Lefzen und Nase, dunkle Augen,
langer buschiger Schwanz
Wesen

von gutmütigem Wesen, mutig und wachsam, jedoch nicht aggressiv. Treu, intelligent und sensibel, gute Wächter,
mässiges bis lebhaftes Temperament, scheu und misstrauisch.
 
Ein unbestechlicher Wächter mit einen ausgeprägten Instinkt.
Er ist stets abwehrbereit, neigt zu Dominanz und Unabhängigkeit. Besitzt eine starke Bindung und Loyalität gegenüber seinen Schutzbefohlenen.

 
Geschichten und Mythen

Genau genommen weis man bis heute nicht so recht, wo der Ursprung der Herdenschutzhunde eigentlich ist. Der wohl berühmteste ist der Do Khyi (Tibet Dogge), von dem behauptet wird, dass er der Urhund aller Hirtenhunde ist. Er soll im Jahr 1100 vCr. erstmals in China in Erscheinung getreten sein.
Es ist aber nicht belegt, dass der ferne Osten die Ursprungsregion dieser Hunde ist. Bei Ausgrabungen in Syrien hat man ca. 8000 Jahre alte Überreste von Hunden gefunden, die vom Aussehen her den heutigen Herdenschutzhunden entsprachen.
Auch bei den alten Griechen und den Römern wurden bei Ausgrabungen und in Texten Hinweise zum Einsatz dieser Hunde gefunden.

   

Die Entwicklung ab dem frühen Mittelalter

Diese ursprünglichen 'Schutzhunde' kann man in vier Gruppen einteilen, die sich aus ihrem Einsatz
und den unterschiedlichen Aufgaben über die Jahrhunderte entwickelt haben. Sie waren ausschliesslich Gebrauchshunde und wurden eingesetzt für den Herdenschutz, für den Schutz von Haus und Hof, für die Jagd von Bären und Wölfen und für den Viehtrieb.

Die uns heute bekannten Schäferhunde entwickelten sich erst später aus der Gruppe der Hüte- und Treibhunde, als es praktisch keine grösseren Raubtiere mehr gab und die Herden zusehends grösser wurden. Dadurch wurden die Herdenschutzhunde immer mehr in den Hintergrund gedrängt, sie wurden teilweise als Hofhunde missbraucht oder verwilderten und wurden für die Herden selbst zur Gefahr. Nach und nach verschwanden sie immer mehr.

Heute erleben die Herdenschutzhunde ein Comeback. Mit der Rückkehr des Wolfes in die Alpenregionen versagen die Techniken der modernen Schafhaltung, der Herdenschutzhund ist wieder gefragt. Der Maremmano, als einer der wenigen unverzüchteten Hunde, wird heute in den USA und Australien wieder erfolgreich als Arbeitshund eingesetzt.

Gruppierungen nach Funktion

Durch ihre Funktionen im Einsatz, entwickelten sich auch die entsprechenden Hundetypen.
Die folgende Liste gruppiert die Hunde nach ihrem historischem Gebrauch.
Die Einteilung in Hunderassen ist eine 'Erfindung' des 19. Jahrhunderts und ist aus einem Mix aus Züchternamen, Gebrauch, regionalem Vorkommen und Phantasie entstanden.

 
Schafhunde,
Herdenhunde,
Hirtenhunde
Rekel,
Wach- und
Hofhunde
Bullen- und
Bärenbeisser
Jagd- und Treibhunde
 

Hüte- und Treibhunde,
(Hirtenhunde)
Schäferhunde

Schutz des Viehs vor Raubtieren Wächter für Haus und Hof Treiber für Grossvieh,
Grosswildjagd,
Kriegshunde
 
Für den Viehtrieb und zum Schutz gegen Diebe
selbständig, stark
und robust
 
gross, stark
und robust
stark und robust, geringe Beisshemmung kräftig, wehrhaft, wendig und schnell
langhaarig, hell langhaarig, dunkel kurzhaarig, dunkel langhaarig,
zottig oder glatt




Sarplaninac
Owtscharka
Kraski Ovcar
Tibet Dogge (Do Khyi)
Mastinos
Patou (Pyrenäenhund)
Aidi
Kangal
Hovavart
Sennenhunde
Bernhardiener
Leonberger
Neufundländer
Landseer
etc.

Bulldog
Rottweiler
Bullmastiff
Bordeaux Dogge
Bull Terrier
Mastino Napoletano
Dogo Argentino
etc.

Bobtail
Border Collie
Bergamasker
Briard
Puli, Pumi,
Mudi
Ovczarek
Ovcar

  Kelpie
...und die grossen Weissen:
 
          Gos d'Atura Catala
Mioritic
Malinois
Cuvac (Slovenien)
Podhalanski (Polen)
Kuvasz (Ungarn)
Akbas (Türkei)
Patou (Frankreich)
Maremmano (Italien)
 
          Beauceron
Groenendael
(weisser) deutscher Schäfer
etc.
             

Übersicht der Herdenschutzhunde

Im 20. Jahrhundert wurde der Hirtenhund vom FCI, dem internationalen Hundezüchterverband, bürokratisch ausgerottet. Der Hirtenhund existiert als Typus nicht mehr. Deshalb tun sich sich heute viele Vereine und Organisationen mit der Einteilung von Herdenschutzhunden (Herdenwachhunde) und Hirtenhunden (Hüte- und Treibhunde) sehr schwer. Manche werfen sogar alle in denselben Topf.
Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige um so mehr erkenne ich, dass es für viele eine Glaubensfrage ist, wie diese Hunde benannt und zugeordnet werden. Teilweise nimmt dies fast fundamentalistische Züge an. Ich ordne diese Hunde hier mehr nach dem historischen Gebrauch und bezeichne sie als Herdenschutzhunde, was ihrer ursprünglichen Arbeit am Nächsten kommt.

Nach FCI gibt es zwei Gruppen in die diese Hunde eingeteilt werden, die Hüte- und Treibhunde (Gruppe 1) und die Molosser und andere (Gruppe 2). Diese Logik macht es nicht gerade leicht, die Herdenschutzhunde präzise einzuteilen (siehe Tabelle 'Übersicht'). Dazu kommt, dass viele dieser Schutzhunde noch gar nicht als Hunderasse anerkannt sind, obwohl sie nachweislich zu den ältesten Hundearten überhaupt gehören.
In praktisch jedem Land, vom Ural bis zur iberischen Halbinsel, gibt es Herdenschutzhunde die sich in Art und Wesen praktisch identisch sind und meist nach dem Gebirge benannt sind, in dem sie heimisch sind.

Mit der folgende Liste, die ich ich aus diversen Quellen zusammengestellt habe, versuche ich eine Übersicht zu geben über die bekanntesten Herdenschutzhunde.
Die Zuordnung als Herdenschutzhund, die nicht immer ganz klar war, entspricht dem was sich aus den unterschiedlichsten Quellen ergeben hat. Sehr oft werden die Herdenschutzhunde vermischt mit den Hüte- und Treibhunden, oder auch mit den Treib- und Jagdhunden. Ich habe versucht diese Vermischung aufzuheben und nur die Herdenschutzhunde aufzulisten.

Es gibt auch Rassen, deren Herkunft bzw. Existenz nicht gesichert ist. So ist der türkische Karshund in der Türkei offenbar nahezu unbekannt und dürfte wohl eher eine westliche Erfindung sein für die Bezeichnung des Karabas. Und über den Pimenikos Hellenikos und den Sage Koochee gibt es nur spärliche Informationen. Letzterer ist wahrscheinlich eine Abspaltung vom zentralasiatischen Owtscharka.
Ein Sonderfall ist auch der Aidi aus Marokko. Es ist der einzige Hund, der nicht im eurasischen Raum beheimatet ist, und der einzige in Afrika bekannte Herdenschutzhund. Er ist sehr selten anzutreffen und nicht nur der kleinste, sondern wahrscheinlich auch der urtümlichste und unverzüchtetste diese Hunde.

Rasse   Herkunft  
Bemerkungen
 
FCI Nr.
Gruppe
Sektion
           
Pyrenäen-Berghund
(Patou)
  Frankreich  
 
 
137
2
2.2
 
Mastin Espanol   Spanien  
 
 
91
2
2.2
Mastin de los Pirineos      
Pyrenäen
 
92
2
2.2
 
Cao da Serra da Estrella   Portugal  
Estrella Gebirge
 
173
2
2.2
Cao de Gado Transmontano      
Nordportugal
  -*    
Rafeiro do Alentejo      
Tejo bis Algarve
 
96
2
2.2
Castro Loboreiro      
Nordportugal
 
170
2
2.2
 
Maremmano-Abruzzese   Italien  
 
 
201
1
1
 
Sarplaninac   ex. Jugoslavien  
ganzer Balkan
 
41
1
1
Kraski Ovcar      
Istrien, Slovenien
 
278
2
2.2
Tornjak      
Bosnien, Makedonien
Kroatien
 
--
 
 
 
Polski Owczarek Podhalanski (Tatrahund)   Polen, Karpaten  
 
 
252
1
1
 
Kuvasz   Ungarn  
 
 
54
1
1
Komondor      
 
 
53
1
1
 
Cuvac   Slovakei  
 
 
142
1
1
                 
Carpatin   Rumänien      
--
 
 
Mioritic          
--
 
 
 
Karakatchan   Bulgarien      
--
 
 
           
Pimenikos Ellenikos   Griechenland  
Nord GR
 
--
 
 
 
Sivas Kangal, Karabas   Türkei  
zusammengefasst
 
--
2
2.2
Akbash      
zum anatolischen
 
--
2
2.2
Coban Köpegi       Hirtenhund (FCI 331)  
--
2
2.2
 
Aidi   Marokko  
 
 
247
2
2.2
 
Kaukasischer Owtscharka   Russland  
Kaukasus, Astrachan
 
382
2
2.2
Zentralasiatischer Owtscharka       Kasachstan, Kirgisien Usbekistan, Turkmenien  
335
2
2.2
Südrussischer Owtscharka       Ukraine, Südrussland  
326
2
2.2
 
Do Khyi   Tibet  
 
 
230
2
2.2
 
Sage Koochee   Afghanistan  
Djence Sheri (Nomadenhund)
 
--
 
 

* = Der Cao de Gado Transmontana wird zur Zeit als neuer Rassestandard geprüft und dürfte bald in das FCI Register aufgenommen werden.

Geschichte des Maremmano    
 
 

Die italienischen Hirtenhunde sind sicher seit über 2000 Jahren bekannt, genau lässt sich das aber nicht bestimmen.
Gerüchten zufolge sollen diese Hunde von der Tibet Dogge, dem Do Khyi, abstammen.

Sicher ist nur, dass diese Hunde wie die andern Hirtenhunde, Kuvasz, Tatrahund, der Pyrenäenhund etc. mit den Nomaden und ihren Herden von Asien über den nahen Osten, nach Europa gekommen sind.

     

Tatsache ist auch, dass diese Hunde in Italien schon in der Römerzeit beheimatet waren und zwar in den ganzen Abruzzen, der Molise, in der Maremma und in Puglia.

Der Maremmano-Abruzzese kommt heute vor allem in den Bergen, den Abruzzen, vor und in der Ebene der Maremma, die sich zwischen Tiber und Arno erstreckt.
Der Hundetyp der Maremma ist kleiner und gedrungener als derjenige aus den Bergen. Der Bergtyp, der Abruzzese, ist anzutreffen vom sibillinischen Gebirge bis hinunter zum Monte Cassino. Aber auch auf Sardinien und im Süden in der Region des Monte Pollino (Basilicata) und im Sila Gebirge (Calabrien) trifft man den Maremmano-Abruzzese an.

1958 wurde der italienische Herdenhund als Rasse 'Cane da Pastore Maremmano-Abruzzese' anerkannt. Die beiden Haupttypen, der Hund der Maremma Ebene und der grösser gewachsene Bergtyp, der Abruzzese wurden dabei zu einer gemeinsamen Rasse zusammenfasst.
Die Zucht dieser Hunde ist aber noch nicht so weit "fortgeschritten", dass alle gleich aussehen.
Es gibt nach wie vor die regionalen Unterschiede, die sich vor allem im Aussehen und der Grösse zeigen. Regionale Typen sind z.B. der Marsicano, der Aquillano, der Maiella etc.

Im Jahr 1977 wurde in den USA, im Rahmen des Herdenschutzes vor Koyoten, ein geeigneter Hund gesucht. Der Maremmano-Abruzzese erwies sich für diese Aufgabe als prädestiniert. Heute wird er in USA bereits gezüchtet und in zunehmendem Masse für den Herdenschutz eingesetzt.
Aber auch in Kanada, Australien und Neuseeland wird der Maremmano heute mit Erfolg gezüchtet und für den Herdenschutz eingesetzt.

Und selbst in der Schweiz gibt es seit dem Erscheinen des Wolfes Projekte, vom WWF und dem BUWAL begleitet, bei denen der Maremmano als Herdenschutzhund eingesetzt wird. Allerdings sind diese Projekte wenig bekannt und stossen vor allem bei den Hirten auf Misstrauen und Ablehnung.